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UN-Stützpunkt im Libanon Ein besseres Beispiel könnte es nicht geben. An einem libanesischen UN-Stützpunkt die Flagge der Hisbollah.

Der bei einem israelischen Luftangriff getötete kanadische UN-Beobachter Paeta Hess-von Kruedener hat kurz vor dem Zwischenfall in einer Email an seinen ehemaligen Kommandanten die radikalislamische Terrormiliz Hisbollah beschuldigt, UN-Posten und ihre Mitarbeiter als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Das berichtet der kanadische Rundfunk.

Von S. Fogiel aus Montréal

Weiter heißt es, Kruedener habe in seiner Email von mehreren Angriffen der israelischen Luftwaffe (IAF) nahe seinem UN-Posten berichtet und diese als „nötig“ bezeichnet. Er fügte dabei hinzu, dass die israelischen Angriffe nicht gegen den UN-Posten selbst gerichtet waren.
Generalmajor Louis Mackenzie, Kruedeners ehemaliger Kommandant in der kanadischen Armee, zitierte Abschnitte der Email in einem Interview für Radio Canada.

Die Ehefrau des getöteten Soldaten, Cynthia Hess-von Kruedener, hatte am Donnerstag nach dem Beschuss des UN-Postens durch israelische Kampfflugzeuge eine Untersuchung gefordert. Sie beschuldigte dabei die IAF, mit Lasergesteuerten Raketen den Posten absichtlich anvisiert zu haben. Die IAF wies die Vorwürfe zurück und kündigte eine Untersuchung des Zwischenfalls an.

Der Weltsicherheitsrat in New York einigte sich unterdessen am Donnerstagabend auf eine Erklärung zu dem Angriff. Die USA verhinderten dabei eine von der arabischen Staatengruppe und China geforderten Verurteilung Jerusalems.

NahostFocus

UN-Soldat: "Hisbollah gebraucht uns als Schutzschild"

OTTAWA / BEIRUT (inn) - Eine E-Mail, die ein bei dem israelischen Luftangriff auf einen UN-Posten im Südlibanon getöteter Soldat vorher verschickt hat, wirft neues Licht auf den vielfach kritisierten Vorfall. Darin heißt es: "Die Hisbollah gebraucht UN-Posten als Schutzschilder".

Wie die Tageszeitung "Jediot Aharonot" berichtet, teilte der Kanadier Major Paeta Hess-von Kruender zudem mit, dass die Terrorgruppe Hisbollah nahe dem UN-Posten agiere. Der ehemalige Kommandeur des UN-Soldaten, Generalmajor Lewis MacKenzie, berichtete in einer kanadischen Rundfunksendung, dass laut Hess-von Kruender die israelische Luftwaffe nicht vorsätzlich UN-Posten angreife, sondern eher aufgrund einer taktischen Notwendigkeit.

"Das würde bedeuten, dass die Hisbollah sich absichtlich in der Nähe der UN-Posten stationiert. Das ist eine Taktik", sagte MacKenzie weiter.

Der Soldat sandte die E-Mail einige Tage vor seinem Tod auch an das kanadische Fernsehen. Darin berichtete er von den israelischen Bombardements und dass er um sein Leben bange.

Er schreibt: "Wir haben täglich zahlreiche Ereignisse, bei denen unser Posten unter direkten oder indirekten Beschuss gerät, von beiden - Artillerie- und Luftangriffen." Es sei zu gefährlich, Patrouillen durchzuführen. Der Soldat versuchte in der Nachricht seine Erfahrungen als unbewaffneter Soldat zu beschreiben, der auch in der Schusslinie steht, heißt es in "Jediot Aharonot" weiter.

Der Generalsekretär der UN, Kofi Annan, hatte den Zwischenfall am Mittwoch als "offenbar vorsätzlich" bezeichnet. Israels Premierminister Ehud Olmert hatte sein "tiefes Bedauern" über den Beschuss ausgedrückt und eine gründliche Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Bei dem Angriff waren drei weitere UN-Soldaten ums Leben gekommen: ein Finne, ein Chinese und ein Österreicher. (cl)